1.3.06

Blicke über den Campus

Trutzig, das Blau des Himmels abstützend, stehen sie da. Die Bollwerke der Korea University in Seoul. Eine Festung des Geistes, möchte man meinen. Tore und Türme. Burgzinnen an schräg gedeckten Dächern. Ein Gang durch das akademische Disneyland Südkoreas wird zu einer Zeitreise ins europäische Mittelalter. Doch halt! Hier ist nichts so alt, wie es zu sein scheint.
Gleich die erste Fragestellerin konnte mich nicht stutzig machen und schon gar nicht aus der Fassung bringen. Wie alt ich denn diese Mauern schätzen würde. Naja, so 20 bis 30 Jahre, gab ich zur Antwort. Mist, quetschte sie enttäuscht heraus.

Man sieht es nicht so sehr auf diesen Fotos, aber vor Ort sehr genau: Der Stein ist jung und frisch. Da ist kein Platz für Verwitterungen und der berühmte Zahn der Zeit nagt hier schon gar nicht. In einer Stadt, die jeden Tag neue Einkaufszentren gebiert, hat das Alte nur seinen Platz, wenn es auf einer Liste der "Treasures" (Schätze) steht und für schützenswert befunden wird.

So enstand aus dem Traditionsbewußtsein der Koreaner heraus der Wunsch, sich eine architektonische Größe zurechtzubasteln, die es historisch in dieser Form nie gegeben hat. Oxford und Cambridge sind altehrwürdige englische Universitätsstädte, die im Laufe der Jahrhunderte in ihrer Gestalt gewachsen sind. Eifrig wird zwar auch auf dem hiesigen Campus gebaut, aber es ist ein Kopieren westeuropäischer Traditionen. Was man selbst nicht hat, ist interessant. Mich erstaunt diese gedankenlose Übernahme fremder Architektur.

Alle Bilder vom Campus der Korea-Universität, Seoul. Nicht selbst aufgenommen. Quelle unbekannt.
Quelle: guckst du hier oder hier.

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