23.1.07

Als ich eines Tages dem Guten in Menschengestalt begegnete

Das Gute lauert im Foyer. Es trägt ein Lächeln im Gesicht und moderne Anzüge. In den Händen hält es die frohe Botschaft Gottes bereit und bittet dich um einen kurzen Moment deiner Zeit.

Groß ist die Zahl ihrer Anhänger. Die Frauen sind unattraktiv, die Männer meistens Brillenträger. Alle aber stehen geschniegelt und gebügelt plötzlich wie aus dem Erdboden gestampft vor ihrem Opfer. In den Semesterferien, wenn man in den sonst so geschäftigen Gängen tatsächlich hört, wie ein Blatt Papier zu Boden fällt, sind sie besonders häufig zur Stelle und haben sich neuerdings das Bürogebäude der internationalen Mitarbeiter an der Korea Universität als Schwerpunkt ihrer Aktivitäten ausgesucht. Ihre Rhetorik ist unbeholfen und bleibt meist während des Versuchs, ein Gespräch zu eröffnen, stecken. Die Angesprochenen täuschen Arbeit oder Termine vor und machen sich schleunigst aus dem Staub.

Gestern jedoch geriet ich an einen besonders hartnäckigen jungen Mann mit guten Absichten, der mir in den Fahrstuhl folgte und brav seine Sprüchlein über Sünde, Wahrheit und Gott aufsagte, ja sogar bis zu meinem Büro mitkam und nicht davon abließ, auf mich einzupredigen, so dass ich ihm leider die Tür vor der Nase zuschlagen musste.

"Auf Wiedersehen, häw ä nais däi", rief das Gute noch und ich war beinahe versucht, es danach zu fragen, wo es denn Deutsch gelernt hatte (denn Fremdsprachen beherrschen Menschen mit einer Mission ausgesprochen gut).

Jau, du mich auch.

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