5.2.07

Gold, Pflaume, Magnolie, imposant - Die häufigsten koreanischen Familiennamen

Den Familiennamen übernimmt man meistens von seinen Eltern. Der häufigste Familienname auf der Welt ist daher - wer hätte das gedacht - der chinesische Name "Li" mit 90 Millionen Namensträgern.

In Korea verläuft die Benennung des Nachwuchses nicht anders, wenn auch mit dem Unterschied, dass die Kinder sehr oft den Familiennamen des Vaters bekommen. Das wiederum hängt damit zusammen, dass die Frauen (traditionellerweise) nach der Heirat ihren eigenen Namen behalten dürfen, die Kinder aber den Familiennamen des Vaters annehmen. Allerdings ändert sich dieses Verfahren seit einigen Jahren und es ist - so habe ich mir sagen lassen - durchaus nichts Ungewöhnliches mehr, wenn Mann und Frau den gleichen Namen haben, was auch die Namensgebung bei den Kindern erleichtert.

Die Unterscheidung der einzelnen Familiennamen wurde in früheren Zeiten strenger gehandhabt, um Fälle von Inzest zu vermeiden. Leute mit gleichen Nachnamen durften nicht heiraten. Wer Kim (Zeichen-Bedeutung: Gold), Lee (Zeichen-Bedeutung: Pflaume), Park (Zeichen-Bedeutung: Magnolie) oder Choi (Zeichen-Bedeutung: imposant, hochragend) hieß, hatte es schwer, einen Partner mit einem anderen Familiennamen zu finden, denn auf einen dieser Namen hören allein über 50 % der Koreaner.

Deshalb ist es auch nicht erstaunlich, dass laut einer Untersuchung bei neueingebürgerten koreanischen Staatsbürgern (im 4. Quartal des Jahres 2006 waren es 110) genau diese Häufigkeit bei den Nachnamen wieder zu finden ist. Kim, Lee, Park und Choi stehen auf den vordersten Plätzen. Die Neubürger passen sich - nicht ganz zu Unrecht - auf diese Weise an die strengen Gruppenzugehörigkeit, die in Korea schon bei den Namen anfängt, an und versprechen sich dadurch eine bessere berufliche oder gesellschaftliche Akzeptanz.

Doch was passiert, wenn im Laufe der Zeit, sich diese vier Namen immer stärker verbreiten? Werden Familiennamen in Korea dann vollkommen überflüssig sein? Oder werden die Kims, Lees, Parks und Chois eines fernen Tages aussterben, weil sie keine Zeugungspartner mehr finden können?

Vielleicht waren die Koreaner deswegen so versessen auf Erfolge in der Klontechnik, woraus ja bis auf absehbare Zeit erstmal nicht viel geworden ist.

2 Comments:

At 7/2/07 09:07, Blogger gitte said...

hallo stefan,

interessanterweise schreibst du, daß frauen ihren mädchennamen behalten "dürfen". ich finde, das hat gar nichts mit dürfen zu tun, denn erstens gibt es m.e. keine wahl und zweitens können damit die kinder der mutter nie so heißen wie die mutter und damit theoretisch auch nicht als ihre (an)erkannt werden (z.b. im falle einer scheidung). die frau wird also nie offiziell teil der neuen familie, ihre kinder aber schon (ich meine natürlich die familie des mannes, denn eigentlich steht sie vielmehr in der pflicht der neuen als ihrer ursprünglichen familie, z.b. wenn die eltern des mannes krank sind oder sie einen ältesten sohn heiratet).

klar schreibst du auch, daß sich das ändert. daß paare auch die gleichen namen annehmen, habe ich glaube ich noch nichts gehört, das will aber nichts heißen. aussprüche wie "das hat sich aber schon stark gebessert in den letzten zehn jahren" hört man oft (koreaner neigen ja auch nicht wie wir deutschen dazu, immer alles selbstkritisch zu hinterfragen und das eigene land anzuprangern). aber gut genug ist die gender-situation noch lange, lange, lange nicht (das hat korea mit deutschland übrigens was gemein).

außerdem verweist du in einem nebensatz auf die vorgänge um hwang woo-suk. aber man soll den medien nicht alles glauben. zwar hat hwang seine professur verloren, aber wieder ein eigenes forschungslabor aufgebaut. ich würde auch vorsichtig sein, hwang & die ganze koreanische wissenschaft als "schlecht forschend" hinzustellen.

 
At 7/2/07 18:26, Blogger sca said...

Hallo Gitte, schön, dass du meine Artikel so aufmerksam liest. Ein paar Bemerkungen möchte ich dann doch machen: Ich weiss nicht, ob die Kinder in Korea wirklich automatisch dem Mann im Scheidungsfall zugesprochen werden. Ich glaube das nicht ganz, lasse mich aber gern eines besseren belehren. Dass die Frau durch das Behalten-Müssen/Dürfen ihres eigenen Namens in gewisser Weise ausgeschlossen werden, kann ich nachvollziehen. Aber ich habe nicht gehört, dass sich die Koreanerinnen ernsthaft darüber beklagen und ich habe wirklich schon einige daraufhin angesprochen. Nur wenn wir von unseren westlichen Vorstellungen ausgehen, mag das befremdlich wirken.

Es ändert sich tatsächlich etwas am System der Namensvergabe, denn auf dieses Thema wurde ich auch durch ein junges Assistenten-Pärchen bei uns an der Germanistik gebracht, wo die Frau den Namen ihres Ehemannes annimmt.

Ich habe mit keinem Wort "hwang und die ganze koreanische Wissenschaft" (oh je, damit kenne ich mich viel zu wenig aus!!!) als "schlecht forschend" dargestellt. Karrieregeil: ja, das wohl eher, aber da gab es weltweit ja auch andere schöne Fälle, wo die Wissenschaftler sich gegenseitig hereinlegten. Schau doch mal, was so in internationalen Fachkreisen über Hwang Woo-suks Forschungsergebnisse publiziert wurde. Viel Spaß dabei.

 

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