3.2.07

Keine Überraschungen (no surprises)

Vor einigen Tagen wurde ich von einer (ehemaligen?) Studentin ausgewählt und "getaggt". Sechs persönliche Dinge über mich solle ich aufschreiben, die für die Leser interessant sein könnten. Anschließend solle ich einen anderen Blogger "taggen", damit die Kette nicht unterbrochen werden würde. Wenn das mal kein Versuch ist, auf so eine liebenswürdige Art, mir meine letzten Geheimnisse zu entlocken...

Mir gefiel die Idee anfangs überhaupt nicht, denn obwohl ich hier zwar in jedem Artikel meine ganze Seele vor euch Lesern ausbreite, stehe ich nicht gern im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Eigentlich ein Widerspruch, denn wer im Internet veröffentlicht, muss mit den sich daraus ergebenden positiven wie negativen Konsequenzen umzugehen lernen. Aber dann zuckte ich mit den Schultern und sagte mir: "Was soll's. Irgendwann erfährt der Rest der Menschheit sowieso alle deine Geheimnisse, warum nicht gleich damit anfangen..."

  1. Viele Menschen haben große Schwierigkeiten damit, die richtige Reihenfolge meines Namens einzuhalten. Viel zu oft steht es falsch im Adressfeld, wenn ich Post bekomme. Mein Vorname ist Stefan, mein Nachname Carl. Der Buchstabe "C" hat keine tiefere Bedeutung. Es ist schwer vorstellbar, dass meine Vorfahren den Familiennamen statt der germanischen Schreibweise "Karl" in "Carl" umänderten, um durch diese anglizisierte Version moderner zu wirken. Auch ist unsere Familie nicht vor Urzeiten nach Amerika ausgewandert und später wieder nach Deutschland zurückgekehrt, was eine eventuelle Namensänderung herbeigeführt hätte. So ähnlich argumentierte ein Kanadier, der partout eine Verbindung meines Nachnamens zu dem amerikanischen Vornamen "Carl" herstellen wollte.
  2. Meine Eltern stammen beide von der Ostsee und kamen in den siebziger Jahren nach Berlin. Man merkt es immer noch daran, dass sie mit Vorliebe Fisch essen. Meine Mutter mag ganz besonders grüne Heringe.
  3. In Berlin bin ich geboren und aufgewachsen. Aber ick balinere nich, wie viele Leute mir immer wieder sagen. Manchmal ist das von Vorteil, wenn man mit irgendwelchen Dumpfnasen aus der tiefsten bundesrepublikanischen Provinz darüber diskutieren muss, warum Berlin so wahnsinnig hohe Schulden hat und immer noch mehr macht und die Koalition aus Sozis (SPD) und Ex-Stalinisten (PDS) die ganze Stadt herunterwirtschaftet. Gerne würde ich dann mal sagen (aber ich tu's nicht, weil ich zu höflich bin): "Ja, weil wir Hauptstadt sind! Wir dürfen alles! Wenn wir euer Kleinkleckersdorf zur Hauptstadt machen würden, wäre Deutschland auf der weltweiten Beliebtheitsskala auf einer ähnlichen Position wie Grönland." Manchmal ist es aber auch von Nachteil, wenn man neben grölenden "Hertha BSC"-Fans in der Berliner U-Bahn steht und sich einfach nur schämt. Fußballerische Spitzenklasse fängt auf dem Rasen an und hört beim Erscheinungsbild der Fans auf.
  4. Vor langer Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat, hatte ich einmal ein Tigerbaby auf dem Schoß.
  5. Ich ging sehr gerne zur Schule und dachte ernsthaft darüber nach, Mathematik und Philosophie zu studieren, um den letzten Rätseln der Menschheit näher zu kommen. Leider wurde nichts daraus, da ich ein fast schon mystisches Erweckungserlebnis hatte, das mich dazu brachte, etwas ganz anderes zu studieren.
  6. Ich glaube, jeder Mensch hat in seinem Leben eine Phase, in der er sich ausprobiert, um zu sehen, wozu er fähig ist. Bei mir war es die Musik. Ich spielte in einer Band namens "PaSt" Gitarre. Wir hatten ungefähr 10 selbstgeschriebene Lieder im Repertoire (es gibt noch Kassetten mit Aufnahmen aus dieser Zeit), mehrere Auftritte mit einigen Menschen, die nicht nur aus Höflichkeit applaudierten und eine wahnwitzige Abschiedsfahrt nach Prag.
  7. Im Sommer 1994, ein Jahr bevor ich die Schule beendete, tourte ich durch Deutschland, um mir einige Universitätsstädte anzuschauen, in denen ich gerne studieren wollte. Um Geld zu sparen, buchte ich meine Routen bei Mitfahrzentralen, campierte allein im Wald ohne Zelt und verfolgte die Absicht, am Ende zu einer Entscheidung zu kommen.
  8. Joschka Fischer traf ich zweimal in Berlin-Mitte im "Kaiser's" Supermarkt in der Fehrbelliner Strasse. Er trug eine Mütze, die er sich tief ins Gesicht gezogen hatte, um nicht erkannt zu werden. Trotzdem blieben alle Leute im Laden stehen und starrten ihm nach. Es war bekannt, dass er gern ohne Bodyguards aus dem Haus ging und seine täglichen Besorgungen selbst erledigte. In seinem Einkaufskorb lagen Kartoffeln, Sahne und Tomatensauce.
  9. Wenn ich jemandem "Saldziu sapnu" wünsche und dennoch mitten in der Nacht aufwache, um zu bemerken, dass ich im Halbschlaf einige der fast vergessenen Worte murmelte, die zu einer bestimmten Zeit zu meinem Leben gehörten.
  10. Was ich in meinem Leben noch gern lernen würde, ist freies Klettern. So ein atemberaubender Blick von der Bergspitze nach unten, nachdem man sich stundenlang am Felsen entlanggehangelt hat, muss einfach unglaublich sein.
Soweit die Fakten. Wenn ich es recht bedenke, hat dieses Spielchen schon sehr viele Elemente eines Kettenbriefsystems. Aber das hier ist ein sehr charmantes und lehrreiches Dingens, denn man erfährt vielleicht doch das eine oder andere interessante Detail aus dem Leben des Autors und deswegen unterstütze ich das.

Um diesen "tagging"-Staffellauf fortzuführen, übergebe ich nun weiter an eine koreanische Bloggerin. Song, die auf "What is Life" auf englisch/koreanisch schreibt, veröffentlicht außerdem exzellente Fotos von ihren Reisen. Sie war eine der ersten Kommentatorinnen auf meinem Blog, worüber ich sehr froh war. Viel Glück, Song!

*****

Summary in english: A few days before a (former?) student tagged me. Probably to get to know the last secrets about her german teacher... *hehehe* ...just kidding. Anyway, I love the idea to read more personal things about the people in the blogosphere. Today I open my treasure chest to tell the ultimate truth about the "Man in me" (to quote the title of a Bob Dylan song) - plus some lies! I only should write six personal facts about myself, but I give you 10!!! Wooow, four facts for free, you might think, but wait a second: 4 aren't right! To make this blog-o-game more challenging for you I thought you have to use your brain a bit more, if you are really interested in my personal affairs. You have to decide if these following information could be true (6 of them) or wrong (4 of them). Think twice! Here we go:

  1. Many people it must be difficult to write or speak my name in the right order. My first name is Stefan, my family name Carl. The "C" means nothing special. It could be the english version from the german name "Karl", but our family has had no relationships to or influences from an english speaking community. For many Koreans is it hard to pronounce my name in the right way too.
  2. My parents came from the coastline of the Baltic Sea to Berlin in the 70's of the 20's century.
  3. Although I was born and grew up in Berlin, people often tell me I don't speak a local dialect.
  4. Once upon a time I had a tiger baby on my lap.
  5. I loved to go to school and imagined seriously to study mathematics and philosophy, but then I had a week full of enlightment and finally chose german language as my major.
  6. "PaSt" was the name of a music band where I played the guitar. Records on tape still exists.
  7. In 1994, one year before I finished school, I travelled three weeks of my summer vacation across Germany. For the purpose of comparison different towns and their universities I tried to spent as less money as necessary. That was the summer when I slept alone in the woods, with no tent and the sky was my only roof.
  8. When Joschka Fischer, the german minister of foreign affairs from 1998 bis 2005, he was wellknown for his manner to go shopping without any bodyguards. I met him two times in Berlin-Mitte in a supermarket. He bought potatoes, sour cream and tomato sauce. The whole crowd in the shop stopped to gaze at him.
  9. I know what "Saldziu sapnu" means and sometimes I wake up in the night listening to my own whispering voice that speaks phrases of this half-forgotten language.
  10. One of the things I want to learn in my life is free climbing. The moment at the peak of a mountain after hours and look down must be... unbelievable.
To continue this torch relay of tagging others I pass on the torch back to a korean blogger. Her name is Song and she runs the blog "What is Life", known for her terrific photos. She is posting in english. Good luck, Song!

3 Comments:

At 5/2/07 00:03, Blogger Song said...

What a hard job! I'm just happy to have finished it before midnight, haha~

 
At 5/2/07 13:23, Blogger sca said...

Ich brauchte 3 (drei!) Tage für meinen Text...

 
At 9/2/07 16:17, Blogger Angel said...

arrrrg, what a task! it's hard :(

 

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