11.3.07

Amerika, du hast es besser

In zeitlich kurzen Abständen hintereinander habe ich "Cars" und "Little Miss Sunshine" gesehen. Die Filme haben weder thematisch, technisch noch zielgruppenspezifisch irgendetwas miteinander zu tun, trotzdem glaube ich etwas zu erkennen, warum der amerikanische Film auch in den nächsten Jahren den internationalen Markt dominieren wird.
  • Die Stoffe sind authentisch. Autos als Fortbewegungsmittel sind ein zutiefst uramerikanischer Mythos, der den Pioniergedanken, die Erschließung eines gesamten Kontinents, in sich trägt. Autos gelten mittlerweile weltweit als Statussymbole. Die Wünsche, Gedanken und Hoffnungen der Menschen werden widergespiegelt.
  • Hollywood ist im Kern ein evolutionäres Business. Was sich gut verkauft, setzt sich eben durch und findet Nachahmer. Aber es geht auch anders. Wer den Mainstream wie z.B. "Cars" nicht mag, für den produziert die Filmindustrie eben solche off-the-track-Perlen wie "Little Miss Sunshine". "Fox Searchlight" ist der Independent-Ableger der altehrwürdigen konservativen Fox Studios, die zum Murdoch-Konzern gehören. Trotzdem lässt sich dieses Studio nicht die liberalen Zuschauerschichten entgehen, die den Kitsch von "Titanic" und den Bombast von "Herr der Ringe" nicht mögen, sondern kommt ihnen mit anderen Angeboten entgegen. Ich behaupte, dass Hollywood sich aus den unabhängigen Produktionen, was die Kreativität anbelangt, viel stärker regenerieren und neu erfinden kann, als aus jedem kommerziellen Blockbuster-Erfolg á là "Spiderman" oder sonstigem Comic-Neuverfilmungs-Gedöns, die vorwiegend in der Sommerzeit in die Kinos kommen. ("Die Simpsons" werden übrigens auch bei Fox produziert und ausgestrahlt, deren Boshaftigkeit sich ab und zu auch gegen den eigenen Sender richtet. Aber diese Serie hat die interne Narrenkappe auf, so dass niemand ernsthaft daran Anstoß nimmt.)
  • Die Dramaturgie vieler US-amerikanischer Produktionen ist stimmig. Die Autoren beherrschen ihr Handwerk: Einführung, Konfliktaufbau, scheinbare Konfliktlösung, retardierendes Element, Auflösung, Ende. Wo ein deutscher Spielfilm häufig vor sich hin psychologisiert und seelensezierend analysiert, setzt Hollywood auf den Wechsel von Action und ruhigeren Passagen und in vielen Fällen sieht das Ergebnis ansprechend aus.
  • Charaktere bestimmen mit, wie hoch der Sympathiefaktor für die Figuren ausfällt. Damit sind nicht die Schauspieler gemeint, sondern wie die Rollen von vornherein angelegt sind. Die Reduzierung auf Typen (der Clevere, die Naive, der Chef, die Kokette, der ewige Verlierer, usw.) gibt dem Zuschauer das Gefühl, die Leute dort auf der Leinwand zu kennen. Die Schrulligkeiten der Figuren bei "Little Miss Sunshine" kennen keine Limits. Bei "Cars" gelingt die Typisierung über die Sprachverwendung (Akzent, Dialekt, Soziolekt). Glaubwürdigkeit, Credibility, Authentizität - hatte ich oben schon genannt - bedeuten begrifflich alles das Gleiche und sind im Endeffekt ein zentraler Punkt, um eine Geschichte zu erzählen, die unterhaltsam und belehrend zugleich ist. Hollywood hat sich nur selten von dieser Regel entfernt. Für schwerverdauliche Filmkunst (siehe "Dogma") ist Europa zuständig.
Aber wie oft passiert es bei Hollywoodfilmen auch, dass man Filminhalte vergisst und nicht mehr in der Lage ist, sie einwandfrei zu repetieren, ganz einfach aus dem Grund, da sich die Sujets zu oft ähneln, erzählerische Strukturen wiederholen und nur Zeit, Ort und handelnde Personen ausgetauscht werden.

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