16.6.08

Mehr Drama, Baby!

Schön, dass Samsung dem neuen iPhone etwas entgegenstellen will, auch wenn ich es nicht unbedingt "iPhone-Killer" nennen würde, wie es gerade in den sogenannten Medien hochgejubelt wird. Auch wenn das Gerät gut aussieht, klingt dieses Attribut reichlich albern. Vor allem weil Apple vorerst gar nicht vorhat, das neue iPhone 3G auf dem koreanischen Markt herauszubringen.

Damit das Samsung-Zauberding auch reißenden Absatz findet, sollten sowohl der Hersteller und auch die Händler genau darauf achten, dass sämtliche Händys, die älter als 6 Monate sind, aus den Regalen zu nehmen sind. Gleichzeitig sollte jeder Käufer gezwungen werden, einen neuen Vertrag abzuschließen. Abzuraten ist von Prepaid-Karten, denn damit verdienen die Mobilfunkunternehmen nichts bzw. zu wenig.

Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass in Südkorea die Händy-Anbieter kein Geld mit ausländischen Kunden verdienen wollen. Meine Freundin besitzt und benutzt seit einigen Monaten ein mindestens 3 Jahre altes LG-Händy, das relativ schwer und unhandlich ist. (Mein eigenes Händy ist noch älter und neuerdings kann ich damit auch weder SMS schreiben noch empfangen, aber man kann damit telefonieren und deswegen habe ich das Teil immer noch.) Vor einigen Wochen begannen die Schwierigkeiten. Zuerst erhielt meine Freundin eine harmlos klingende SMS von dem Netzbetreiber verbunden mit der Aufforderung, dass sie daran denken solle, ihre Prepaid-Karte wieder aufzuladen und zur Überprüfung ihres Geräts in einen LG-Telekom-Laden gehen solle. Normalerweise kann man so etwas getrost ignorieren. Denn wenn das Guthaben bei einer Prepaid-Karte abtelefoniert ist, funktioniert das Händy so lange nicht, bis man es wieder aufgeladen hat. Und das geht meiner Erfahrung nach sehr einfach vonstatten.

Diesmal war jedoch alles anders. Ein paar Tage nach dieser ersten SMS konnte meine Freundin weder Mitteilungen versenden noch anrufen. In einem Telekom-Laden stellte man fest, dass das Guthaben noch nicht restlos aufgebraucht worden sei. Niemand konnte uns wirklich erklären, wo der Fehler lag. Mal hieß es, dass sie eine Alien Registration Card vorlegen müsse, um das Händy neu zu registrieren. Dann wieder, dass das Händy ja gar nicht auf ihren Namen registriert sei. Dann wieder, dass sie als Ausländerin nach jeweils drei Monaten das Händy in einer speziellen LG-Filiale immer wieder entsperren lassen müsse. Vielleicht haben die Südkoreaner nach all dem "american beef" jetzt Angst, dass die hier lebenden Ausländer mit hochmoderner Kommunikationstechnologie irgendetwas Gefährliches anstellen könnten. Wer weiß, wer weiß...

Der Paukenschlag kam dann heute, als wir mit einer koreanischen Bekannten einen LG-Telekom-Laden aufsuchten, damit sie den Angestellten erklären konnte, dass wir das Händy meiner Freundin der Einfachheit halber auf meinen Namen registrieren lassen wollten und sogar bereit waren, das restliche Guthaben auf ihrer Karte verfallen zu lassen. Der Angestellte meinte allen Ernstes, dass er uns leider keinen neuen Prepaid-Vertrag geben könne, da das Guthaben auf der alten Prepaid-Karte noch nicht abtelefoniert sei!

Ich vermute ganz stark, dass (Vorsicht, Satire!) Samsung (und LG und wie sie alle heißen) landesweit Anweisungen erteilt haben, nur noch für Neugeräte Verträge ausstellen zu lassen. Stichwort "iPhone-Killer". Irgendwie muss man ja Umsätze generieren. In Deutschland bekommt man Prepaid-Karten hinterher geworfen. Selbst die Geräte werden zu absoluten Kampfpreisen verscherbelt. In Korea entwickelt sich aus der simplen Vertragsunterzeichnung ein Drama in mehreren Akten.

Ich meine, ich finde es herrlich, wenn Koreaner mit ihren Händys in der U-Bahn Fernsehen gucken können und auch ihre Einkäufe damit bezahlen. Aber was nützt der ganze Schnickschnack, wenn der Zugang zur Mobilkommunikation schon so erschwert wird?!

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