2.6.08

Scott Bradfield: "Gute Mädchen haben's schwer"

Man nehme: jede Menge getöteter Männer, eine attraktive 19-jährige Frau namens Lah, die allen Männern den Kopf verdreht und anscheinend alle ihre Verehrer umgebracht hat und deswegen in einem Strafgefängnis sitzt und auf ihr Todesurteil per Giftspritze wartet. Man mische eine Prise Knasterotik bei, würze alles kräftig mit Gewaltexzessen und verschrobenen Wärtern, Insassen und Betreuern und erhält aus diesen Zutaten möglicherweise ein lesenswertes Buch.

Im Falle von Scott Bradfields Roman "Gute Mädchen haben's schwer" kam dabei leider nichts Gutes heraus. Die Handlung kriecht orientierungslos voran. Ein Gesprächsfetzen zwischen den unterschiedlichsten Therapeuten da, ein Tagebucheintrag der männermordenden Schönheit dort, ein halbes Geständnis dann wieder da, ein Brief an einen Verehrer wiederum dort. So zieht sich das seitenlang hin, ohne dass wirklich Spannung aufkommt. Selbst die halbwegs interessante Frage, ob die zum Tode verurteilte Lah nun wirklich an den Morden beteiligt war, wird viel zu früh aufgelöst.

Es ist eine krude Alt-Herren-Fantasie, die da in Gang gesetzt wird, die Variation des Themas der Verführung und Bestrafung, der Geschlechterkampf. Man hat das in ähnlicher Form schon mal irgendwo gesehen oder gelesen. Es ist keine neue Geschichte, die hier erzählt wird. Auch die literarische Form der Aneinanderreihung verschiedenster erzählerischer Elemente wie Tagebuchnotizen, Auszüge aus der Gefängnisakte, Briefe, Dialoge usw. verliert schnell seinen Reiz. Schlimmer noch, man verliert die Orientierung, wer was sagt, schreibt, denkt. Das macht auf Dauer keinen Spaß beim Lesen.

Ich habe das Buch schließlich mit Genuss aus der Hand gelegt, ganz einfach weil ich froh war, jetzt etwas anderes lesen zu können.

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