12.3.07

Der hwp-Fluch

Eine ähnliche Eigenwilligkeit im technischen Bereich neben der Verwendung des E-Mail-Dienstes "Hanmail" haben die Koreaner bei ihrem Standard-Dokumententyp *.hwp entwickelt. Nach westlichem Denken hat Microsoft mit den typischen *.doc-Endungen bei Word-Textdateien einen weitverbreiteten Standard geschaffen. Wer sich dem verweigert, dem bleibt das *.txt-Format oder auch das *.rtf-Format, auf das man bedenkenlos ausweichen kann und das mit jeder beliebigen Standard-Bürosoftware geöffnet werden kann. Selbst Linux- oder Apple-Besitzer kommen mit diesen Dateiformaten problemlos zurecht.

Was machen die Koreaner? Sie entwickeln ein strategisches Insel-Denken. Zwar ist Korea nur eine Halbinsel, aber um sich vor dem Erfolg anderer Softwarefirmen abzusichern und der Standardisierung einer global zusammenwachsenden Welt etwas Eigenes entgegenzusetzen, verhält sich dieses Land so, als wäre es im permanenten Kriegszustand.

(Ach so, ist es ja tatsächlich auch.)

Was das für einen Ausländer bedeutet, der von Studenten und Kollegen des öfteren Textdokumente zum Korrigieren zugeschickt bekommt, brauche ich nicht weiter zu erklären. Es ist umständlich. Es nervt. Es kostet Zeit, jedes Mal den Absender darauf hinzuweisen, dass man das *.hwp-Format leider leider leider nicht am heimischen Rechner lesen kann.

Gerade wir als Deutsche stehen nun in der Pflicht, da wir die geopolitische Kleinstaaterei fast überwunden haben, mit einer neuen technischen Kleinstaaterei anzufangen. Warum nicht deutsche Textdokumente mit der Datei-Endung *.ddr versehen? Warum nicht die Umlaute und Sonderzeichen so verschlüsseln, dass sie mit einem herkömmlichen Textverarbeitungsprogramm wie MS WORD nicht mehr dargestellt werden können? Warum müssen wir es der Welt einfacher machen als sie es uns macht?

Deutsche Informatiker, ich zähle auf euren Erfindungsreichtum!

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3 Comments:

At 13/3/07 13:14, Blogger Gomdori@KU said...

Stell dich nicht so dusslig an ;)

http://www.haansoft.com/hnc4_0/haansoft/download/download.php?b=pds&no=172

Damit kann man nur Dateien angucken, aber ich denke, dass du sowieso keine koreanischen Aufsätze schreiben wolltest.

Darum geht es nämlich, nicht um Abschottung oder Nationalismus, sondern darum, dass es für Microsoft einfach nicht die Optionen gibt. Zum Beispiel im Bereich Mittelkoreanisch oder ganz einfach mehr verschiedene Schriften etc.

 
At 13/3/07 15:45, Blogger sca said...

Kenn ich doch und habe ich auch installiert. Du schreibst ja selbst: "Damit kann man nur Dateien angucken...".

Toll!

Ich brauche ein Programm, mit dem ich Texte editieren kann. Alles andere ist witzlos. Es kann doch nicht so schwer sein, ein Koreanisch-Plugin für WORD oder Open Office zu programmieren und zu veröffentlichen. Warum muss das alles immer so kompliziert sein? Das ist der Punkt.

 
At 28/8/07 23:59, Anonymous Anonym said...

Dass es keine Plugins gibt, die koreanische Software mit der übrigen Welt verbinden, ist tatsächlich ein Ärgernis. Das liegt aber vor allem daran, dass Koreaner sich nur selten an OpenSource-Programmierung beteiligen und meist gar nicht die Alternativen zu koreanischen Produkten / Webservices kennen, obgleich deren Vorteile auf der Hand liegen, denn wer will mehr private Daten von mir als ein koreanischer Webseitenbetreiber? Wer weiß, was die alles von mir speichern und was mir vor der Nase wegfiltern? Neben guter Unterstützung für das HWP-Format würde ich mir Plugins für Instant-Messenger wie Pidgin oder Miranda wünschen, die eine Schnittstelle zu NateOn, Buddybuddy und anderen koreanischen Messengern herstellen. Außerdem hätte ich gerne Programme, die mir meine Mails kostenlos aus Daum, Naver, Empas usw. rausfischen. Wenn es eine eifrige Programmierer-Community gäbe, müsste das eigentlich alles machbar sein...

 

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