20.11.08

222 Jahre Aufklärung oder Bong San Do

- "Weißt du, warum die (koreanische) Kollegin nicht mit dir auf deutsch sprechen will?"
- "Vielleicht weil Sie Angst hat, nicht gut deutsch zu sprechen und wir uns nicht gut verstehen?"
- "Nein, nein. Sie hat gehört, dass du allein lebst."
- "Allein...? Aber... ich lebe hier mit meiner deutschen Freundin."
- "Ja, aber ihr seid nicht verheiratet!"
- "..."

Dazu fällt mir nichts mehr ein. Dieses Land braucht unbedingt noch zwohundertzwoundzwanzig Jahre Zeit, damit man als Europäer nicht mehr dreimal um die Ecke denken muss, um die tiefere Logik solcher Gedankengänge zu verstehen. Ich muss neuerdings über soviel wirres Zeug nur noch lachen. Der Kollege mit dem ich mich unterhalte, lacht mit. Moment mal, da fällt mir ein... Ich frage zurück:

- "Ist diese Kollegin denn verheiratet?"
- "Nein! Natürlich nicht!"

Wir müssen beide noch lauter lachen. Er wechselt das Thema:

- "Du musst erstmal ein richtiger Koreaner werden, damit sie mit dir spricht."
- "Hm, und wie soll ich das anstellen?"
- "Also, zuerst mal brauchst du einen koreanischen Namen."
- "Hab ich nicht."
- "Na eben. Deshalb brauchst du doch einen."
- "Ah ja. Hast du eine Idee?"
- "Do klingt gut, oder?"
- "Als Vor- oder Nachnamen?"
- "Nachname natürlich."
- "Gibt es den Nachnamen Do wirklich im Koreanischen?"
- "Ja, sehr selten."
- "OK, dann rede mich jetzt immer mit Do an."
- "Gut, Do Bong San."
- "Äh, bitte nochmal..."
- "Do Bong San."

Mein Kollege grinst. Ich habe das Wortspiel nicht gleich verstanden, muss nach dem zweiten Hören aber ziemlich laut lachen. Jefällt ma, jeht ab, sach ick ma.

(Dobongsan ist der Name eines nahe gelegenen Berges, auf den wir in den letzten drei Jahren ziemlich oft gewandert sind.)

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2 Comments:

At 21/11/08 21:29, Blogger Jens-Olaf said...

Ich verstehe, mein Name ist "teacher". ^^ Oder: "Herr ..." wenn sie Deutsch können.

 
At 24/11/08 14:19, Anonymous Anonym said...

Lustisch, da lacht Deine Tussi wie bestusst.

Aha, Kaffee macht also auch lustig!

... womit übrigens mal wieder bewiesen wäre, dass es nicht ausreicht, ein paar (Deutsch)kurse an der KU zu belegen, damit man "interkulturelle Fähigkeiten" in den Lebenslauf schreiben kann. Also, da sind meine Privatschüler und ein Teil Eurer Studenten echt schon viel weiter.

Kampf dem Ethnozentrismus!

Anbei eine Lektion für jedermanns ganz persönliche Nachmittagsschule:

http://de.wikipedia.org/wiki/Interkulturalit%C3%A4t

maro

 

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