12.2.09

Prüfungen (des Lebens)

Eine junge Kollegin erzählte mir vor ein paar Tagen, dass bei der Prüfung "Start Deutsch" die Kandidaten bei einer Höraufgabe das Wort "Schreibtisch-Lampe" heraushören und notieren sollten. Was aber schrieben einige von ihnen? Schreibtischschlampe.

Und damit bin ich schon mittendrin, bei all den kleinen und größeren Pannen und Peinlichkeiten, die einer Prüfung erst den nötigen Charakter aus Nervenkitzel, Humor, Schweißausbrüchen, inneren Flüchen und dem Hoffen und Bangen, schnell alles zu überstehen und irgendeine Lösung zu erkennen, zu notieren, zu sprechen.

Heute hatte ich Prüfungsaufsicht für den TestDaF an unserer Uni. Es ist anstrengend, denn man hat den Kopf voll mit tausend kleinen Dingen, die man ansagen muss, damit ja alle die Aufgaben bewältigen. Man darf nichts vergessen, sonst beschwert sich einer eventuell später über falsche oder fehlende Informationen, die er dringend für das Lösen der Aufgabe gebraucht hätte. Obwohl ich diese Prüfung schon einige Male abgenommen habe, bleibt doch immer ein Rest Aufregung, ob alles gut (mit der Aufnahmetechnik) funktioniert. Zum Glück gab es keine großen Probleme, auch wenn ich wegen falsch eingelegten Kassetten und nicht funktionierenden Kopfhörern mehrere Anläufe brauchte, bis schließlich alle Studenten den mündlichen Prüfungsteil absolvieren konnten.

Am Ende, erlebte ich eine Überraschung, nämlich als ich in die Runde fragte, ob die Aufgaben schwer gewesen seien und ein Koreaner ganz ehrlich seine Meinung sagte (das passiert eigentlich nie, deswegen schreibe ich darüber!). Sinngemäß meinte er: "Das war große Sch...! Also ehrlich, ich brauche bei meinem Studium in Deutschland nicht solche blöden Aufgaben zu lösen. Das geht doch an der Wirklichkeit vollkommen vorbei."

Ehrliche Ansage. Ich will die Meinung dieses Studenten und seine ziemlich rüde Wortwahl nicht weiter kommentieren. Als Lehrer steckt man in solchen Situationen immer im Dilemma, sich mit den Prüfungskandidaten zu verbrüdern (was im Grunde nicht geht bzw. unglaubwürdig wirkt, weil man auf der anderen Seite steht), die Meinung weitgehend zu ignorieren ("Hat sonst noch jemand eine eigene Meinung?") oder über den Sinn von Prüfungen zu diskutieren. Für letzteres gilt: Wenn du es erklären musst, ist es nicht gut.

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