20.11.08

Die Freundin singt...

...unter der Dusche die ersten Weihnachtslieder.

Selbsteinschätzung von ihr nach Verlassen des Badezimmers:
"Es mangelt an Textsicherheit bei der 2. und 3. Strophe. Ich muss dringend üben."

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28.9.08

Wikimedia im DaF-Unterricht

Vor ein paar Wochen hörte ich ein Fahrstuhlgespräch einiger Englischlehrer unfreiwillig mit an. Es ging um den Einsatz der Computer in den Unterrichtsräumen. Eine Kollegin meinte, dass sie ständig den Computer während ihrer Kurse laufen lassen würde. Ab und zu würden Fragen bei den Studenten auftauchen, die sie als Lehrerin nicht sofort beantworten könne und dann würde eben mal ein Online-Wörterbuch oder Wikipedia konsultiert.

Dieses 30-sekündige Gespräch war die Initialzündung für mich, in Zukunft verstärkt den Rechner während des Unterrichts einzusetzen. Mittlerweile sind nämlich alle mir bekannten Kursräume mit Computern und Internet ausgestattet, so dass man auf die reichhaltigen Ressourcen problemlos zurückgreifen kann.

Für meinen A1-Kurs, mit dem ich zur Zeit über Sehenswürdigkeiten, Bauwerke und Gebäude in der Stadt spreche, habe ich ein Quiz entwickelt, bei dem die Studenten zu den einzelnen Fotos sagen müssen, um was für ein Gebäude es sich handelt (z.B. Turm, Museum, Schloss, Bahnhof etc.), wie es heisst und in welchem Land bzw. welcher Stadt es steht. Dabei geht es vor allem um die Wiederholung des erarbeiteten Wortschatzes. Aber auch der Spaßfaktor soll nicht zu kurz kommen, denn das eine oder andere Foto soll ein bisschen in die Irre führen.

Der ganze Prozess der Erarbeitung mit Powerpoint ging relativ mühelos und schnell von der Hand. Jede Folie enthält nur ein Foto. Dazu wird nach einem Mausklick die Lösung eingeblendet. Hilfreich waren vor allem die vielen Fotos bei Wikimedia. Die Bilddatenbank ist sehr gut aufgebaut. Langes umständliches Suchen, wie ich es von der Google Bildersuche kenne, entfiel.

Nächste Woche probiere ich das Quiz im Unterricht aus.

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3.6.08

Jung ist man nur einmal im Leben

Mir fiel vor ein oder zwei Wochen auf, was koreanische von deutschen Studenten unterscheidet. Beim Gang über den Campus der Korea Universität sah ich, wie vor allem die Studentinnen bunte Luftballons in den Händen hielten. Eine Woche vorher waren es bunte Blumensträuße oder kleine Blumenkörbchen. Kein deutscher Student würde sich so an der Universität blicken lassen (von Abschlussfeiern mal abgesehen).

War ich vor 10 Jahren auch so?

Als im Unterricht ein Student erzählte, dass er am Wochenende bei einer politischen Demonstration gewesen war und gegen den Präsidenten gekämpft hatte, entglitten mir fast die Gesichtszüge, denn von mir hat er diesen Wortschatz nicht gelernt und auch die Entschlossenheit, mit der er sprach, überraschte mich. Koreanische Studenten sind noch unpolitischer als deutsche Studenten, interessieren sich mehr für ihre privaten Interessen oder ihr Studium. Mir kommt es oft so vor, als hätten junge Koreaner viel weniger Ahnung, was in der Welt da draußen vor sich geht.

Wer studieren kann, der zählt bereits zu den gesellschaftlichen Gewinnern. Die Studiengebühren sind relativ hoch. Nicht jede Familie kann es sich leisten, die eigenen Kinder an eine Hochschule zu schicken. Hier ist man als Student froh, zu den Privilegierten zu gehören, die nicht mit Anfang 20 schon in einer Firma arbeiten müssen, weil sie dringend Geld brauchen. Studieren bedeutet in Korea vor allem eine Atempause zwischen Schule und Arbeit. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass fast jeder Koreaner auch studiert hat. Wie hoch der Anteil der Akademiker in Deutschland ist, kann ich schwer abschätzen, aber ich denke, er liegt deutlich unter den koreanischen Zahlen. Ein abgeschlossenes Studium heißt aber nicht, dass man automatisch einen Job bekommt. Dabei spielt vor allem eine Rolle, an welcher Uni man studiert hat. Wer eine der drei großen und wichtigsten Unis (Seoul National, Korea Uni und Yonsei) besucht hat, der hat gute bis sehr gute Karrieremöglichkeiten, auch wenn ich mir in letzter Zeit habe sagen lassen, dass das auch nicht mehr so stimmt. Die Jugendarbeitslosigkeit in Korea ist in vergangener Zeit stark angestiegen.

Korea hat zwar einen hohen Anteil an Studenten, aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Korea die besseren Hochschulabsolventen hat. Ich möchte keine pauschalen Urteile abgeben, sondern nur meine Eindrücke erzählen. Koreaner lernen nicht mehr und nicht weniger an einer Uni, auch wenn sie sich pro Tag viel länger an der Universität aufhalten. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich, denn die wenigsten haben hier eine eigene Wohnung (weil Wohnraum in Seoul ganz einfach zu teuer ist) und wohnen deshalb noch bei ihren Eltern. Hinzu kommt, dass die Wohnungen der Familien in teilweise weit entfernten Vierteln liegen und die Studenten jeden Tag lange Fahrtwege zurücklegen, um zur Uni zu kommen. Da liegt es nahe, dass man sich den ganzen Tag an der Uni aufhält. Man darf für Seoul nicht den Maßstab einer kleinen familiären Campus-Uni in einer mittelgroßen deutschen Stadt anlegen, wo die Uni fester Bestandteil der Stadt ist. Die Korea Universität ist nur eine von Dutzenden anderer Unis in Seoul.

Gelernt wird an einer koreanischen Universität nur zweimal pro Semester: für die Zwischenprüfung und für die Abschlussprüfung. Natürlich gibt es auch jede Menge Hausarbeiten, Kontrollen, Tests usw. während des gesamten Semesters, auf die sich die Studenten vorbereiten. Aber wirklich viel Lernzeit investieren sie nur in die beiden wichtigsten Prüfungen in der Mitte und am Ende des Semesters.

Es gibt spezielle Lernräume für die koreanischen Studenten, auf die jeder deutsche Student, der sich einen Arbeitsplatz in der Bibliothek erkämpft hat, neidisch wäre. Zu Hause ist es eng und laut und die Familie hockt sich ständig auf der Pelle. An der Uni hat man seine Ruhe und relativ viel Freiheit beim Lernen. Ich habe beobachtet, dass die Mehrheit der Koreaner zwar viel lernt und viel Zeit in den Lernräumen verbringt. Allerdings stehen sie auch gern grüppchenweise rauchend vor der Tür oder trinken Kaffee oder halten hier ein Schwätzchen und da einen Plausch. Ich kann also nicht mit Sicherheit sagen, dass ihre Ergebnisse besser wären oder sie disziplinierter lernen.

Was mir an deutschen Hochschulen fehlt, hat sich an koreanischen Unis über Jahrzehnte hinweg neu eingebürgert. Ich meine studentische Traditionen, Feste und Feiern, Jubiläen. Man verspürt einen gewissen Stolz, dazu zugehören. Oft wurde der 68-er Generation von konservativen Politikern vorgeworfen, dass sie die deutschen Hochschulen so gründlich von ihrem Muff befreit hätten, dass auch die ganzen Traditionen verschwunden wären. Nun leben die Deutschen nicht mehr im Jahr 1968. Die Erde hat sich weiter gedreht, aber es wird nur vereinzelt an deutschen Hochschulen Wert darauf gelegt, die Universitätsstudenten gebührend zu begrüßen und zu verabschieden. Das würde in Korea gar nicht funktionieren. Hier ist der Werdegang der Kinder für die Eltern ein wichtiges Element. Man will wissen, wo sie studiert haben, man zeigt mit Stolz und sehr viel Selbstbewusstsein, wo welches Uni-Gebäude steht. Am Anfang und Ende des Studiums bzw. des Semesters reist die ganze Familie an, um den Sprößling zu fotografieren, mit Blumen zu beschenken und sich alles zeigen und erklären zu lassen. Die Studiengebühren sind hoch genug, also kann man für das investierte Geld auch etwas Schauwert erwarten. Und die Universität selbst lässt sich nicht lumpen und freut sich über die Imagewerbung. Im Gegenzug finanziert sie teure Festivals für die Studenten, Sportfeste, Partys, die Studentenclubs usw.

Ich kenne nicht viele Studenten in Deutschland, die von sich behaupten, dass sie stolz darauf waren an ihrer Uni studiert zu haben und sich mit deren weiterer Entwicklung beschäftigen (z.B. in Form großzügiger Spenden). Hier ist das selbstverständlich.

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16.4.08

Englisch für den Notfall

So lernt man Englisch in Japan. (Kein bisschen rassistisch.)



Und das machten ein paar Koreaner daraus. (Kein bisschen albern.)


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1.4.08

Buchtipp für Koreanischlerner

Es ist schwer, ein Lehrbuch zum Koreanisch lernen zu finden, was sich an Menschen richtet, die in Westeuropa ihre erste Fremdsprache gelernt haben. Damit meine ich, dass das Buch kommunikativ ausgerichtet ist und nicht auf das Auswendiglernen abzielt, es ein vernünftiges Layout besitzt, die Schrift gut lesbar ist, die Grammatik vor den Übungen erklärt wird, im Anhang eine Wörterliste vorhanden ist, usw. Leider ist das in Korea keine Selbstverständlichkeit. Das Angebot an Lehrbüchern ist zwar riesig, aber leider auch meistens qualitativ begrenzt.

Ich will nicht die Deutsch-Lehrbücher über den grünen Klee loben, denn da gibt es auch manche Kapriolen der Autoren, über die man als Lehrer nur staunt.

Aber es ist bei den meisten Büchern eine klare Konzeption im zu vermittelnden Lehrstoff erkennbar. Der Lernfortschritt wird nicht zwischen Lektion 1, 2 und 3 in unermessliche Höhen geschraubt. Eingeübter und bekannter Wortschatz wird immer wieder mal wiederholt. Die Ausnahmen in der Grammatik sind klar gekennzeichnet. Im Anhang findet man meistens einen Grammatikteil sowie eine Wörterliste. Und auch grafisch sehen deutsche Lehrbücher wirklich ansprechend aus, wenn man sie mit koreanischen vergleicht.

Auf "Korean made easy for beginners" von Seung Eun Oh aus dem Darakwon Verlag, das ca. 18.000 Won kostet, machte mich übrigens eine junge Koreanischlehrerin aufmerksam, nachdem ich ihr meine Probleme mit der koreanischen Lehrmethodik geschildert hatte. Nach zweieinhalb gescheiterten Koreanischkursen, die allesamt nicht viel gebracht haben, außer viel Frustrationen und unverständlichen Lehrmethoden, beschloss ich, mit diesem Buch neu anzufangen und weiter zu lernen. Eine CD mit Hörübungen sowie ein Heftchen mit nützlichen Redewendungen liegt dem Buch auch noch bei. Und damit ist das ganze Lehrwerk günstiger als eine Stunde Koreanischunterricht!

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31.10.07

Die Legende vom TestDaF

Als ich von einem koreanischen Germanistik-Studenten vor kurzem auf Englisch (sic!) gefragt wurde, ob denn die TestDaF-Prüfung wirklich so leicht sei, dass man sie nach einem halben Jahr Deutschlernens schaffen könne, stellte sich ein ungläubiges Schmunzeln in meinen Mundwinkeln ein, das sogar bis jetzt noch andauert. Dieser Student schrieb gerade an seiner Magisterarbeit, befand sich also ungefähr im fünften bis sechsten Studienjahr und entschuldigte sich mehrmals dafür, dass sein Deutsch so schlecht sei.

Ja, klar, dachte ich, wenn man Germanistik in Korea studiert, bedeutet das ja nicht zwangsläufig, dass man die Sprache lernt, sondern vor allem, dass man irgendwas studiert. Ein Job findet sich dann hinterher schon irgendwie von ganz allein.

Der TestDaF, so viel sei an dieser Stelle verraten, dient an vielen deutschen Hochschulen als Sprachnachweis bei ausländischen Studenten. Die Note verrät dabei, wie gut der betreffende Student in der Lage ist, den wissenschaftlichen Diskussionen in den Seminaren und Vorlesungen zu folgen. Es handelt sich dabei also nicht mehr um Alltagsdeutsch auf Bundesliga-Niveau, sondern eher um stilistisch sicheres Deutsch auf akademischem Champions League-Niveau.

Nachdem ich den Studenten wegen seiner Frage einigermaßen verblüfft angesehen hatte, erfuhr ich, dass unter den koreanischen Germanisten tatsächlich erzählt wird, dass der TestDaF ganz leicht nach einem halben Jahr zu schaffen sei. Ja, wenn man schon vier Jahre Deutsch gelernt hat, entgegnete ich, dann... Nein, nein, unterbrach mich der Student, wenn man Anfänger sei, würde das schon gehen. Zum Glück war er kein Ignorant und hörte sich meine Meinung dazu an.

Bei einer anderen Studentin stieß ich dagegen auf taube Ohren. Nach einem Jahr Abwesenheit an der Uni, traf ich sie wieder in den verschiedensten Kursen zwischen Anfänger- bis hin zum Mittelstufenniveau an . Es stellte sich heraus, dass sie nach einjähriger Pause jetzt unbedingt ganz schnell ihren Abschluss machen muss und in einem Vierteljahr alles aufholen will. Für einen Normalsterblichen ein Ding der Unmöglichkeit, aber nicht für einen durchschnittlich verbohrten Koreaner, der wahrscheinlich mit der Kraft von Kimchi und Autosuggestion im Stande ist, wahre Wunder zu vollbringen.

Diese Geschichten sind leider keine Einzelfälle. Es hat sich zugetragen, dass Koreaner in Deutschland im denkbar knappen Zeitraum von zwei Jahren erfolgreich auf Deutsch promovierten. In zwei Jahren! Das schaffen selbst die wenigsten deutschen Doktoranden.

Korea, du bist großartig. Du herrliches Land der Märchenerzähler. Mögen deine Sprachgenies, die selbst nach Jahrzehnten mit den schrecklichen deutschen Konsonanten "R" und "L" kämpfen, niemals aussterben und unseren Planeten mit ihrem ausgeprägten Maß an Irrwitz, Selbstüberschätzung und Drolligkeit auch in Zukunft bereichern, damit der Rest der Welt etwas zu lachen hat.

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