27.5.08

ESC 2008 reloaded

Da die jungen Männer heute Krieg spielen mussten (d.h. alle männlichen Studenten der Korea Universität waren verpflichtet, an einer Militärübung teilzunehmen), ergriff ich die Gelegenheit, den koreanischen Studentinnen die meiner Meinung nach spektakulärsten zehn Videos (spektakulär schlecht und spektakulär gut) des "Eurovision Song Contests" 2008 im Unterricht vorzuführen:
  • Bosnien & Herzegowina: Laka - Pokusaj
  • Griechenland: Kalomoira Saranti - Secret combination
  • Aserbaidschan: Elnur & Samir Javadzadeh - Day after Day
  • Israel : Boaz Mauda - Ke'ilo kan
  • Deutschland: No Angels - Disappear
  • Russland: Dima Bilan - Believe
  • Türkei: Mor ve Ötesi - Deli
  • Lettland: Pirates Of The Sea - Wolves Of The Sea
  • Ukraine : Ani Lorak - Shady Lady
  • Spanien: Rodolfo Chikilicuatre - Baila El Chiki Chiki
Und was passierte bei der Stimmauszählung? Deutschland belegte einen beachtlichen zweiten Platz und Russland wurde Erster. Die Studentinnen versicherten mir, das Endergebnis nicht schon vorher gekannt zu haben. Es hat sich mal wieder bestätigt, dass sich Qualität international durchsetzt.

Außerdem waren die Koreaner viel zu höflich, dem deutschen Beitrag weniger als 5 Punkte zu geben. Nur so kann ich mir das gute Abschneiden für die "No Angels" erklären.

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26.5.08

Auf nach Bulgarien

So viel H.ä.m.e. haben die "No Angels" nicht verdient. Mit dem letzten Platz beim diesjährigen "Eurovision Song Contest" haben sie sich zwar nicht mit Ruhm bekleckert. Aber andere Länder dafür verantwortlich zu machen, weil die sich gegenseitig die Punkte zuschieben und die Deutschen in Europa angeblich nicht gemocht werden, halte ich für falsch. Ein doofes Lied bleibt eben ein doofes Lied. Null Ausstrahlung und null Show bedeuten eben null Aufmerksamkeit bei den Zuschauern und damit im Endeffekt auch null Punkte.

Der Siegertitel aus Russland war für meinen Geschmack zu kitschig, zu schwülstig und was der wild herumfuchtelnde Eiskunstläufer dort sollte, bleibt wohl ein Geheimnis. Meine heimlichen Favoriten setzten sich leider nicht durch. Alles in allem fand ich den diesjährigen Wettbewerb abwechslungsreich und angesichts einer starken Konkurrenz war es schwierig, sich auf einen Gewinner festzulegen.

Die Serben als Gastgeber hatten eine sehr gute Show abgeliefert. Die Bühne erstrahlte in ständig neuen Lichtern und pyrotechnischen Spielereien. Allein für den Einfall, für jedes Land ein Postkarten-Intro voran zu stellen und die Landesfahne mit Schauspielern und Spielszenen zu visualisieren, sollte es nachträglich einen europäischen Fernsehpreis geben.

Am Ende beschlossen wir jedenfalls, sobald wie möglich nach Bulgarien zu reisen und uns für die großzügigen 12 Punkte zu bedanken.

P.S. Die ganze Show gibt es übrigens auf der Eurovision-Seite als Livestream zu sehen.

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Nass-Forscher Buchtipp

Eigentlich handelt es sich bei "Nachrichten aus einem unbekannten Universum" um ein Abfallprodukt. Denn kaum waren die guten Verkaufszahlen von Frank Schätzings Bestseller-Roman "Der Schwarm" bekanntgegeben worden, dachten ein paar Leute aus der Verlagsbranche schon an ein neues Buch, um an diesen Erfolg anzuknüpfen. Ursprünglich sollte Schätzing eine Mini-Serie über die Erforschung der Ozeane schreiben, denn seine aufwändige Vorarbeit und die Recherchen für "Der Schwarm" sollten schließlich nicht umsonsts gewesen sein. Schnell zeichnete sich aber aufgrund der angesammelten Materialfülle ab, dass sich damit ein ganzes Sachbuch füllen ließe.

"Nachrichten aus einem unbekannten Universum" taucht in die Tiefen der Ozeane ein. Im ersten Teil wird die Geschichte der Entstehung der Ozeane und Kontinente und der unterschiedlichsten Lebensformen erzählt. Daran schließt sich im zweiten Teil eine Bestandsaufnahme der Meere und Gewässer auf unserem Planeten an. Dabei stimmt der Autor Frank Schätzing nur stellenweise in das allseits bekannte Wehklagen und Herumjammern über die zerstörerische Umweltverschmutzung durch den Menschen mit ein. Er differenziert stärker und betont die Chancen, die uns die Meeres-Ressourcen noch bieten. Sehr interessant sind seine Erläuterungen zu medizinischen Wirkstoffen gegen Krebs, die aus Meerestieren gewonnen werden und die Möglichkeiten zur kostengünstigen Stromerzeugung mit Hilfe von Wellen- oder Strömungskraftwerken, um nur zwei Beispiele aus der großen Ideenkiste der Forscher und Entwickler zu nennen.

Am Ende des Buches wird ein Ausblick in die Zukunft der Meere gewagt. Spekulativ, aber durchaus eine Überlegung wert, ist die Feststellung, dass die Lebewesen sich im Laufe der Evolution (Mutation und Selektion) aus dem Wasser aufs Festland wagten, aber sich dieser Prozess umkehren könnte, wenn das Festland wegen der Umweltzerstörung nicht mehr bewohnbar ist und sich deswegen alle Lebensformen in den Schutz der Tiefen zurückziehen.

Der Schreibstil von Frank Schätzing hat in Deutschland Seltenheitswert. Ihm gelingt es, Faktenwissen mit Sprachwitz zu kombinieren und erreicht damit ein breites Publikum, dass sich für populärwissenschaftliche Themen interessiert und dabei auch noch gut unterhalten fühlt.

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Ganz wild

Klischee und Wirklichkeit: Koreaner sind überwiegend stille und zurückhaltende Menschen, sie kommen nicht aus sich heraus oder nur, wenn sie vorher viel Alkohol getrunken haben. Es geht auch ganz anders. Als ich nämlich am vergangenen Samstag ins Sejong Arts Center gegangen war, um guter ausländischer Musik zu lauschen, war ich ziemlich erstaunt, wie ausgelassen und frenetisch die Ureinwohner von Seoul und Umgebung feiern und jubeln können.

Am letzten Tag des diesjährigen Seoul Jazz Festivals kamen für mich persönlich gesehen die interessantesten Bands. "Nouvelle Vague" spielten vor allem Coverversionen englischer Punk- und New Wave-Bands nach. Allerdings im Bossa-Nova-Gewand oder leicht angejazzt, so dass die Originaltitel kaum zu erkennen waren. Nach der Pause kamen die Urgesteine des Soul & Acid Jazz "Incognito" (laut Ansage seit 29 Jahren zusammen) und spätestens da ging so richtig die Post im Saal ab. Sieben Instrumentalisten und drei Sänger sorgten für den richtigen Groove, wobei der Schlagzeuger und der Posaunist zum ersten Mal dabei waren, aber das hörte man nicht. Das Zusammenspiel funktionierte auch ohne vorher lange geprobt zu haben. Die Bläsergruppe gab immer schön Gas, setzte knackige Akzente und jeder der drei verbreitete auch bei den eingestreuten Soli immer wieder gute Stimmung.

Der Gitarrist und Bandleader wäre wohl besser Prediger geworden (aber dann würde es diese Band leider nicht geben), denn er hatte das Publikum gut im Griff. Er erzählte kleine Anekdoten, schaffte es, die Leute zum Tanzen und Klatschen zu animieren, machte Singübungen und verbreitete ganz einfach gute Laune.

Die Zuhörer waren dann auch alles andere als zurückhaltend. Der Saal brodelte. Die Leute standen dicht an dicht in den schmalen Gangreihen, die Hände nach oben gestreckt, klatschend, herumschlenkernd, mit den Köpfen nickend, sich gegenseitig fotografierend. So viele aufgeweckt-lächelnde Koreaner hatte ich schon lange nicht mehr gesehen. Nach knapp vier Stunden Jux und Dallerei war die Luft raus, so dass ich nicht mehr in der Lage war, die Nacht durchzumachen, um in den frühen Morgenstunden den "Eurovision Song Contest" als Livestream anzuschauen. Dazu später mehr...

- Videos -

INCOGNITO: "Don't you worry 'bout a thing"



NOUVELLE VAGUE: "Eisbär"


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22.5.08

SICAF 2008

Das Seoul International Cartoon and Animation Festival 2008 (SICAF) startete gestern. Ich schaute mir die "Pixar Story" an, einen mittelprächtigen Dokumentar- und Werbefilm über die Leute und Filmschaffenden des amerikanische Pixar-Studios, die in den letzten Jahren einen Kassenschlager nach dem anderen herausbrachten: u.a. "Toy Story", "Findet Nemo" und zuletzt "Cars". Störend war die ziemlich dick aufgetragene Selbstdarstellung, der Glaube an sich und seine Idee. Die Amerikaner schaffen es bemerkenswerterweise, dass sie auch jedes Klischee, das man von ihnen hat, immer wieder aufs Neue bestätigen.

Das Festival läuft noch bis Sonntag, dem 25.5.08, und ich werde ganz sicher einige Stunden im palastartigen Lotte Cinema in der Nähe der Konkuk Universität verbringen. Dann aber keine Dokus mehr, sondern die Neuheiten aus der Animations- und Cartoonbranche. Die Kurzfilmreihen schauen sehr vielversprechend aus. Programm als PDF gibt es auch.

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18.5.08

Termine für Verliebte - Teil 1

Verliebte in Korea haben es schwer. Wenn sie sich tatsächlich an die unterschiedlichen Feiertage halten würden, die ihnen noch auf dem langen Weg vom ersten schmachtvollen Seufzer bis zur Verlobung oder gar Hochzeit bevorstehen, gäbe es vielleicht auch gar keine Koreaner mehr. Ausgestorben wegen hochgradiger Komplexität in Liebesdingen.

In der März-Ausgabe des "Granite Tower", einer englischsprachigen Studentenzeitschrift für Studenten der KU, las ich, dass es neben dem Valentinstag eine Reihe weiterer spezieller Tage für Liebespärchen gibt. Im folgenden möchte ich nur die "Termine" für die erste Jahreshälfte vorstellen, damit man einen ersten Eindruck davon bekommt, wie furchtbar kompliziert das alles ist bzw. gemacht werden kann.

Der Valentinstag am 14. Februar wird in Korea fast genauso wie in Deutschland begangen. Allen, die dahinter eine Marketing-Verschwörung der Blumen- und Süßwarenindustrie vermuten, sei von einem Korea-Besuch an diesem Tag abgeraten. Deutschland ist im Gegensatz zu Korea noch eine Geschenke-Wüste. Allerdings sind hier in Korea nur die Frauen verpflichtet, den Männern etwas zu schenken, um ihnen ihre Liebe zu zeigen/zu gestehen. Die Männer müssen erst am 14. März, dem sogenannten "White Day" Farbe bekennen. Oft wird für ein Valentinsgeschenk ein Gegengeschenk erwartet. Wenn der Mann der Frau also am "White Day" auch etwas zurück schenkt, dann hängt ihr gemeinsamer Himmel voller Geigen und eine paradiesische Zeit bricht an, der nur durch den 14. April, den "Black Day" getrübt werden könnte.

An diesem Tag trauern all die zurückgewiesenen Singles, die weder am Valentinstag noch am "White Day" beschenkt wurden bei einem Teller Nudeln mit schwarzer (!) Sojasauce. Man erkennt die einsamen Herzen auch daran, dass sie allein vor einer Tasse schwarzen (!) Kaffees hocken oder schwarze (!) Kleidungsstücke tragen oder irgendetwas essbares Schwarzes (!) gedankenvoll in sich hineinmümmeln. Es soll mitunter vorkommen, dass sich auf diese Weise die "schwarz"-verärgerten Singles gegenseitig erkennen und miteinander ins Gespräch kommen. So wird aus Frust Lust, denn geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid.

Erfreulicher geht es am 14. Mai, dem "Rose & Yellow Day", weiter. Die Männer schenken ihren Freundinnen Rosen und diejenigen, die immer noch Single sind, sollten auf jeden Fall etwas Gelbes tragen und Curry essen. Wenn man das nicht tut, wird man lange Zeit Single bleiben.

Wiederum vier Wochen später ist ein neuer Pärchen-Tag in Korea, damit es nicht langweilig wird in der Beziehung. Am 14. Juni, am "Kiss Day", darf zum ersten Mal geküsst werden. Puuuh, ich weiß nicht, wie lange ein Mitteleuropäer durchschnittlich dafür benötigt, aber die Zeitspanne zwischen erstem tiefem Blick in die Augen, erstem Geschenkaustausch (Valentinstag bzw. "White Day") und erstem Kuss dürfte vermutlich um einiges kürzer sein.

Wie gesagt, wenn sich denn die Koreaner an all diese speziell erfundenen Feiertage strikt halten würden. Tun sie aber nicht, sondern überraschen den Rest der Welt mit solch herrlich blöden Komödien (siehe Filmtrailer bei youtube), die man auch versteht, wenn man kein Wort Koreanisch kann.


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Emergency Party Button

An diesem wettermäßig schrecklichem Sonntag bleibt nur... ein beherzter Knopfdruck auf den "Emergency Party Button".



(Anleitung und mehr Infos auf dieser Webseite/via LifeHacker)

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13.5.08

Uns geht's gut

Luxus ist, am Abend zwischen den Teesorten "Märchenstunde Erdbeer-Sahne" und "Sandmännchens Sternenkräuter" wählen zu können.

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12.5.08

Pfingsten/Buddhas Geburtstag

In Deutschland feiert man Pfingsten, in Korea Buddhas Geburtstag. Einige Impressionen aus dem nahe gelegenen Tempel...

Die Besucher des Tempels harren im Regen aus und schauen sich das Festprogramm an.

Musizierende Mönche.


Der Eingang zum Tempel wird mit Laternen beleuchtet.

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11.5.08

Musikalisches Sonntagsrätsel

Abschlusskonzert des "HiSeoul"-Festivals auf dem Seoul Plaza. Neben sehr viel Bum-Bum-Musik und endlosen Ansprachen ans Publikum gab es eigentlich nur noch eine Überraschung ganz am Ende des Programms: eine koreanische Ska-Band namens "Kingston Rudieska":



Und wer die nun folgende Originalgruppe und/oder Titel erkennt, der bekommt eine exklusiv und nur auf diesem Blog erscheinende offizielle Lobhudelei.

video


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3.5.08

Snack dir einen

Beim heutigen Spaziergang durch den Seoul Grand Park tobte der übliche Wochenendverkehr herum: eng umschlungene Pärchen, laute Familien mit winkenden und "Hi"-sagenden Kindern, knipsende Schülerinnen-Gruppen, nordic-walkende Großmütterchen mit tief ins Gesicht gezogenem Sonnenschutz. Das ist das Seoul des 21. Jahrhunderts.

Aber was knabbert der moderne koreanische Großstädter unterwegs bei seinem samstäglichen Ausflug? Winzige Schneckenhäuschen, aus denen er das Innere heraus zutscht, klebrige Reiskuchen in faustgroßen Abpackungen, gedünstete Maiskolben, penetrant riechende mehlig-schmeckende Seidenraupenlarven.

Die Wahrheit ist, dass die Koreaner sich im Grunde bis heute nicht vom Leben auf dem Land getrennt haben. Deswegen ist Seoul eigentlich keine Weltstadt, sondern nur ein zu groß geratenes Dorf. Traditionelle Essgewohnheiten wurden durch das über uns gekommene Zeitalter der Burger, Fritten, Eis und Cola nicht so einfach über Bord geworfen. Meiner Meinung nach ist Korea eigentlich kulinarisch gar nicht globalisiert, sondern hat einfach das ländliche Leben der Kinder- und Jugendzeit mit in die Metropole genommen und fest ins Stadtbild integriert. Überall gibt es Straßenstände, an denen gekocht, gebrutzelt und frittiert wird, so dass man den speziellen Essensgeruch auch einige Ecken weiter immer noch in der Nase hat. Viele der Erwachsenen sind keine gebürtigen Seouler und hängen teilweise noch recht fest an den Spezialitäten ihrer Heimatregion. Anders kann man sich den anhaltenden Erfolg der zigtausenden Fressbuden nicht erklären.

Koreaner lieben das Essen. Es muss scharf und dar nicht zu salzig sein. Sie sind experimentierfreudig, aber auch offenherzig, wenn ihnen etwas nicht schmeckt.

Anders als in Deutschland, wo durch die Einwanderungswellen der Gastarbeiter der fünfziger und sechziger Jahren auch eine andere Esskultur (Pizza, Döner, Moussaka, etc. pp.) mitgebracht wurde, ist Korea von derlei Einflüssen "verschont" geblieben. Anfangs ist es vielleicht witzig, wenn man bei einem koreanischen "Italiener" zur Pizza saure Gurken als Beilage dazu bekommt und sich Parmesan aus Plastikdosen (!) über die Pizza streuen kann. Oder um es positiver auszudrücken: Evolution hört auch beim Essen nicht auf und möglicherweise setzen sich solche "Trends" ja weltweit durch.

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Blogger-FAQ

Für Blogger und vor allem solche, die es werden wollen und nicht wissen, wie sie damit am besten anfangen sollen, empfiehlt sich die kurze Lektüre von Hunter Nuttalls "Das Zen des Bloggens", aus dem Englischen übersetzt von Jan Tißler. In eine sehr ansprechende Meister-Schüler-Geschichte verpackt, geht es hier um alle Fragen, die sich am Anfang so stellen. Aber auch erfahrenere Blogger können noch das ein oder andere lernen. Vor allem, dass es keine allgemeingültige Regel oder letzte Weisheit zu diesem Thema gibt. Hier geht's direkt zum PDF-Dokument.

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